Amazon Echo: Ein digitaler Assistent erobert das Wohnzimmer und wie Marken davon profitieren können.

Digitale Sprachassistenten sind in aller Munde. Ob es das Bestellen alltäglicher Dinge, das Abrufen vom Wetter oder ein Musikwunsch ist – die Sprache erlebt innerhalb der Digitalisierung eine Renaissance. Doch welche Vorteile bringt diese Technologie und wie können Marken sich diese zu eigen machen?

Von Friedrich-Paul Spielhagen

Quelle: Amazon

Gefühlt wöchentlich gibt es neue Trends und werden Gadgets vorgestellt, die unser Leben einfacher und schneller machen sollen. Aber vor allem: digitaler. Abseits der flüchtigen Erscheinungen sind einige Entwicklungen gekommen, um dauerhaft zu bleiben. Und eine dieser lautet: Conversational Commerce. Darunter versteht man das Einkaufen per Sprachbefehl, auch „shop by voice“ oder „voice-generated purchase“ genannt.

Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt ist der digitale Assistent Amazon Echo mit seiner Sprachsoftware Alexa. Über den schlichten Zylinder lassen sich Informationen abfragen, Produkte bestellen oder auch weitere Geräte steuern – und das alles per Sprachbefehl. Seit dem Marktstart in den USA wurden knapp 4 Millionen Amazon Echo verkauft und die Prognosen von 10 Millionen für 2017 scheinen damit mehr als realistisch. Doch wie ist der Erfolg zu erklären?

Die Software

Amazon Echo basiert auf dem eigenen Cloud System Amazon Web Services (AWS) und funktioniert mit den sogenannten Skills, also Apps, die die Funktionalitäten von Alexa erweitern können. Diese können ebenfalls von externen Partnern entwickelt werden und ermöglichen damit ein Wachstum an neuen Fähigkeiten.

Und darin liegt der Vorteil und einer der Gründe des Erfolgs von Amazon Echo. Ein offenes System, das Drittanbietern direkten Zugriff ermöglicht und die weitere Entwicklung der Software als auch Services vorantreibt. Die AI Technologie hilft Alexa kontinuierlich zu lernen, klüger zu werden und den Kunden schlussendlich besser zu verstehen bzw. schneller und besser auf ihn und seine Wünsche zu reagieren.

Die Positionierung

Im ersten Schritt sind damit weniger die Einkäufe gemeint, denn Amazon positioniert das Echo nicht als reines Shopping Device mit dessen Hilfe eine Packung Klopapier, das Laptopladekabel oder Hundefutter bestellt wird, dafür aber als Smart Home Device.

Ein zentrales Tool, um verschiedene intelligente Geräte untereinander zu verbinden und zu steuern. Die Folge ist die schleichende Integration von Amazon Echo in den Alltag und Entwicklung eines Ökosystems zu Hause, womit der Nutzen für den einzelnen Kunden kontinuierlich steigt je mehr Devices hinzukommen. Es entstehen Log-in Effekte für den Kunden und Eintrittsbarrieren für Wettbewerber. Plattform-Strategie par Excellence.

Erst im zweiten Schritt folgen „voice-generated purchases“. Per Sprachbefehl wird Alexa aktiviert, die Bestellung aufgeben und mit einem selbstgewählten Sicherheitscode der Kauf bestätigt. Fertig. So einfach und schnell kann Shoppen sein. Und profitabel, wie neueste Zahlen aus den USA eindrucksvoll demonstrieren: Ein Prime-Kunde, der über Amazon Echo bestellt, kauft dreimal mehr als ein Durchschnittskäufer. Denn Amazon Echo ermöglicht die Bestellung des Produktes zu Hause just im Moment des akuten Bedarfs. Dazu kommt das Nutzungsverhalten, das sich Amazon Echo zugute macht: Zwar kaufen wir zum größten Teil mobil, doch passiert das nicht unterwegs, sondern zu Hause. Somit ist Amazon Echo immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort, wenn das Bedürfnis nach einer Bestellung eines oder mehrerer Produkte am größten ist.

E-Commerce Kompetenz

Neusten Ergebnissen zufolge bietet allein in Deutschland Amazon knapp 280 Millionen Produkte an. Sowohl diese gewaltige Auswahl als auch das umfangreiche E-Commerce Ökosystem samt eigenem Distributionskanal, Logistikinfrastruktur und Services sind nicht nur Grundvoraussetzung, sondern auch ein wichtiger Treiber für die weitere Entwicklung von Amazon Echo.

Die starke Marke

Amazon beweist darüber hinaus die nötige Kompetenz nicht nur als Einzelhändler, sondern auch als Technologieunternehmen Innovationen maßgeblich voranzutreiben. Gleichzeitig genießt Amazon als Marke in Deutschland hohes Ansehen bei den Kunden und landet auf Platz 4 der vertrauensvollsten Marken – als einziger Internetkonzern in den Top 20 der abgefragten Marken. Das geht aus dem aktuellen Brand Experience and Trust Monitor hervor, der jährlich von uns durchgeführt wird.

Das Potenzial haben Marken wie Spotify, MyTaxi, Telekom, Samsung und innogy bereits erkannt und bieten ihren Service via Amazon Echo an. Der Produktnutzen kann dem Kunden direkt im Alltag erlebbar gemacht werden.

Amazon Echo schafft damit einen weiteren Touchpoint mit der Marke, der durch die Sprachsteuerung omnipräsent ist und jederzeit entlang der Customer Journey abgerufen werden kann. Die Abhängigkeit eines Endgerätes entfällt damit und es entsteht ein multisensorisches Erlebnis, das die Beziehung zwischen Nutzer und Marke nachhaltig vertieft.

Beispielsweise verbaut Whirlpool bereits die Alexa Software in Küchengeräte und ermöglicht zukünftig dem Nutzer neben der Bedienung des Herdes auch den Zugriff auf Rezepte basierend auf den vorhandenen Lebensmitteln im Kühlschrank. Auch Autohersteller wie Ford und BMW setzen auf die Spracherkennung Alexa.

 

In Verbindung mit BMW Connected Drive lassen sich via Alexa ausgewählte Fahrzeugfunktionen steuern. Und die Anwendung ist nicht auf die Wohnung beschränkt, sondern auch unterwegs im Fahrzeug nutzbar – egal ob Restaurantanfragen oder die Suche nach der nächsten Tankstelle. Und wenn es ein Kaffee zwischendurch sein soll, dann kann dieser jetzt bei Starbucks bestellt werden – mit der Stimme versteht sich. Gerade befindet sich Starbucks mit Amazon Echo in einer Testphase mit 1000 Kunden, der Launch ist für den Sommer und vorerst in den USA geplant.

Mit dieser Technologie lassen sich zahlreiche Szenarien für verschiedene Branchen erstellen. Das beweist auch der wachsende Wettbewerb wie Google Home, Microsoft mit seiner Software Cortana oder Apple mit Siri. Es wird definitiv immer lauter, aber eins ist sicher: Conversational Commerce lässt noch viel von sich hören.

Quellen:

http://t3n.de/news/amazon-echo-ki-678244/
http://www.pc-magazin.de/news/amazon-echo-release-deutschland-einladung-alexa-deutsch-3197000.html
http://www.brickmeetsclick.com/amazon-echo–how-could-ask-alexa-impact-cpgs-and-retailers
http://www.chainstoreage.com/article/retailers-hear-amazon-echo-sales-potential
http://www.retaildive.com/news/5-technologies-reshaping-retail-in-2017/433954/
http://neuhandeln.de/amazon-echo-und-die-folgen-fuer-den-deutschen-online-handel/
http://etailment.de/news/stories/Technologie-Amazon-Echo–Alexa-Die-naechste-Revolution-beginnt-jetzt-20242

 

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