„Transformational Branding ist der Spagat zwischen Heritage und Innovation – schmerzvoll und herausfordernd zugleich.“
Das Jahr 2016 war das Jahr der großen Innovationsoffensive der Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Schuld“ daran war er, Geschäftsführer Thomas Lindner. Als er 2014 von Gruner + Jahr nach Frankfurt wechselte, schrieb die F.A.Z. rote Zahlen. Das Ziel, die Zeitung zurück auf Kurs zu bringen, war gleichzeitig nötig wie auch ambitioniert. Die Herausforderungen bestanden im Reagieren auf die veränderten Mediennutzung ebenso wie dem Markenversprechen des renommierten Traditionsverlages treu zu bleiben. Der Plan ging auf, denn 2016 kam die Ertragswende dank neuer Digitalprodukte wie Der Tag & F.A.Z. PLUS sowie auch der neuen Print Formate – F.A.Z. Woche, Frankfurter Allgemeine Quarterly und Metropol.

Im MEEDIA-Interview (13.04.2016, von Georg Altrogge und Gregory Lipinski) spricht Lindner über Kostendisziplin und erklärt, wie sich auch „große Anhänger der Papierwelt“ im Digitalen behaupten können:

  • Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der digitalen und gedruckten Medien der FAZ-Gruppe in den nächsten zehn Jahren?
    Lindner: „Wir haben in den letzten Monaten für die FAZ-Gruppe eine langfristige Strategie entwickelt. Dabei ist unsere Stoßrichtung klar: Wir bedienen heute den klassischen FAZ-Leser und bemühen uns nicht unerfolgreich um die „Digital Immigrants“. Wir müssen nun beginnen, uns stärker den „Digital Natives“ zuzuwenden. Diese Zielgruppe adressieren wir heute noch nicht adäquat, sie wird aber zumindest rein demographisch in wenigen Jahren in unsere Zielgruppe hineinwachsen. Langfristig streben wir rund 100.000 zusätzliche Digital-Abonnenten an. Auf dem Weg zu diesem Ziel müssen wir allerdings die Frage beantworten, mit welchen Formaten, Inhalten und Produkten und zu welchen Preisen uns das gelingen kann. Das wird sicherlich nicht nur die gedruckte Zeitung sein.“
  • Viele Verlage investieren in digitale Beiboote jenseits journalistischer Produkte. Dazu gehört beispielsweise Burda. Können Sie sich vorstellen, dass sich die FAZ als Investor im Technologiesektor betätigt?
    „Wenn ich mir den Track-Rekord und die Erfolgsgeschichte anderer Verlage anschaue, habe ich den Eindruck, nur wenige in unserer Branche besitzen als Investoren ein goldenes Händchen. Die FAZ tritt jedenfalls nicht als Start-Up-Finanzierer auf. Wir konzentrieren uns weiterhin auf unseren publizistischen Auftrag.“

Sasserath Munzinger Plus hat die F.A.Z. 2014 durch die Erarbeitung einer zukunftsorientierten Markenarchitektur begleitend unterstützt. Die FAZ „Woche“ war eines der empfohlenen Produkte und wurde 2016 herausgegeben.

Thomas Lindner teilte beim 9. Club der Markenfreunde mit dem Publikum auf sehr humorvolle Art und Weise seine Sicht auf den Wandel der F.A.Z..
Gerade bei einer Marke, deren Heritage das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein stark prägt, bestehe die Herausforderung darin, sich zu verändern und gleichzeitig treu zu bleiben, so der Verlagschef, der im Jahr 2016 nicht nur die Digitalisierung der F.A.Z. erfolgreich vorangetrieben, sondern auch drei neue Print-Produkte lanciert hat.

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