Aktuell

1 April 2020

In der Krise zeigt sich der wahre Charakter!

Die Corona-Virus Pandemie hat die Welt fest im Griff. Für Millionen von Menschen hat sich in kürzester Zeit die Realität auf eine Art und Weise geändert, die wir bislang nur aus Sci-Fi Filmen kannten. Fast alle Unternehmen sind direkt oder indirekt betroffen, niemand kann sich den Folgen von COVID-19 entziehen.

Wie jede Krise zeigt auch diese Pandemie beide Seiten des Wesens von Menschen, Marken und Unternehmen.
Auf der einen Seite erleben wir überwältigende Uneigennützigkeit und Solidarität, wie z.B. junge Menschen, die älteren oder kranken Mitbürgern Einkäufe erledigen. Andererseits erleben wir Egoismus und den Verlust des Anstands, angeführt von Unbekannten, die in erheblichem Umfang Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken, Handschuhe und Schutz-Bekleidung aus einem Raum der Kinderintensivstation einer Berliner Klinik stahlen. Erlebbar in der Bevölkerung auch durch die Toilettenpapier-Hamsterer und sorglosen Infizierten, die durch ihren Egoismus andere Menschen limitieren und gefährden.
Das Coronavirus ist ein Test unserer Menschlichkeit und kann, wie jede Krise, sowohl das Beste als auch das Schlechteste in uns wecken.

Auch Marken und Unternehmen sind jetzt gefordert, ihren wahren Charakter zu zeigen.
Der erste Gedanke sollte den eigenen Mitarbeitern und deren Gesundheit gehören. Viele Unternehmen, nicht nur Google und Sony, haben es ihren Mitarbeitern frühzeitig ermöglicht, auf nicht unbedingt erforderliche Reisen zu verzichten. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Mitarbeiter ermuntert und mit Technologie befähigt, von zu Hause zu arbeiten und damit das Risiko der Ansteckung zu minimieren. Dies ist nicht nur ein Ausdruck des verantwortungsvollen Umgangs mit der Gesundheit der Mitarbeiter, sondern auch eine Manifestation der Wertschätzung durch Vertrauen in die Menschen. Vertrauen in ihre Selbstverantwortung und die Fähigkeit der Selbstorganisation.
Allerdings haben viele Unternehmen auch schmerzlich erfahren müssen, dass sie nicht über die digitale Infrastruktur und Kultur verfügen, um dezentrale kollaborative Arbeitsweisen zu ermöglichen. Hier gilt es nun, in schnellen Schritten aufzuholen.

Unternehmensmarken müssen sich in der Krise die Frage stellen, wie sie konkret und schnell auf die Sorgen und Nöte der Menschen intern wie extern reagieren können.
Ohne Kalkül, ohne Hintergedanken, ohne verborgene Absichten. So wirkte die Ankündigung des Pay-TV-Senders Sky, allen Fernsehzuschauern an zwei Spieltagen die Konferenz der Fußball-Bundesliga frei zugänglich zu machen, weniger selbstlos als vermutlich intendiert. Gleichsam finden es viele Menschen höchst irritierend und unangemessen, wenn der hochprofitable Weltkonzern adidas und andere große Unternehmen das für kleine Laden- und Wohnungsmieter gedachte Gesetz für pandemiebedingte Mietaussetzungen ausnutzen. Damit ernteten sie Unverständnis und Empörung.

Selbstloses Verhalten ist in einer beispiellosen Krise natürlich nicht einfach zu leisten, da viele Unternehmen selbst auf Hilfe angewiesen und manchmal in ihrer Existenz bedroht sind.
Trotzdem ist es oft möglich, aus der Not eine Tugend zu machen. Ganz gleich, ob der Berliner Club „Gretchen“ Clubgängern erlaubt, über einen Live-Stream ohne Publikum trotz Besuchsverbots ihren Club zu erleben. Oder die Verkäuferin bei REWE, die unermüdlich bis zur Erschöpfung dafür sorgt, dass trotz Hamsterwahn die wichtigen Artikel des täglichen Lebens nicht ausgehen. Jägermeister stellt seinen Alkohol, statt für Kräuterlikör, zur Produktion von Desinfektionsmitteln zur Verfügung. Coca Cola verzichtet ab April auf kommerzielle Werbung und spendet anstatt dessen mit seinen Abfüllpartnern und der Stiftung The Coca-Cola Foundation 120 Millionen USD für Schutzausrüstung und Getränke für die Mitarbeiter von medizinischen Einrichtungen sowie Lebensmittel für Bedürftige. Viele Bekleidungsunternehmen wie Mey oder Trigema haben ihr Produktion auf Schutzkleidung für Mitarbeiter in Krankenhäusern und im Gesundheitswesen umgestellt. Der französische Luxuskonzern LVMH hat bereits frühzeitig begonnen, in seinen Parfum- und Kosmetikfabriken Desinfektionsmittel zu produzieren. Das Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de organisiert zahlreiche Aktionen, um Menschen und Firmen in Not zu helfen. Und das Berliner Luxushotel Adlon verschenkt 1000 Übernachtungen an Ärzte, Schwestern und Pfleger und liefert Obdachlosen mindestens einmal in der Woche Frühstück.
Weitere Beispiele gibt es zuhauf.

Jedes Unternehmen kann sich fragen, welchen Beitrag es zum physischen und psychischen Wohlbefinden der Menschen in dieser schwierigen Zeit leisten kann.
Dabei geht es nicht nur um Selbstlosigkeit, sondern auch um die Besinnung und Konzentration darauf, was ein Unternehmen im Kern gut kann (z.B. die Produktion sicherstellen) – und genau das zu machen. Auch das ist ein Beitrag zu Stabilität und Normalität, die sich die Menschen wünschen.
Diese Aktivitäten können auch kommuniziert werden, allerdings darf das Übernehmen von sozialer Verantwortung nicht dazu genutzt werden, um ein Unternehmen besser dastehen zu lassen. Hier das richtige Maß zu finden, fällt den Unternehmen leichter, die ein klares Verständnis ihrer eigenen Identität haben und daher gut einschätzen können, welche Themen widerspruchsfrei zu ihnen passen.

Die Krise ist eine gute Gelegenheit, Prioritäten zu hinterfragen. Was ist jetzt wirklich wichtig? Was zählt? Was bleibt? Die Menschen werden selbstloses und verantwortungsvolles Handeln in schweren Zeiten danken. Mit Respekt, mit Verbundenheit, mit Wertschätzung. Und genau diese Faktoren werden für die Überlebensfähigkeit von Unternehmen wichtig sein, wenn die Krise überwunden ist…um Mitarbeiter zu gewinnen, um Kunden zu gewinnen, um eine bessere Zukunft zu gestalten. Für uns alle. Im besten Fall gehen wir alle am Ende nicht nur physisch geheilt, sondern auch seelisch gestärkt aus dieser Krise hervor. Um gemeinsam eine Gesellschaft zu gestalten, in der Menschlichkeit einen neuen Stellenwert bekommt und wir neue, bessere Formen von Gemeinsinn, Wirtschaften und Nachhaltigkeit leben.

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